Ratgeber · Hauselektrik

FI-Schalter fliegt raus oder fehlt – was jetzt?

Kurz beantwortet

Ein FI-Schalter, fachlich Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD), schaltet ab, sobald Strom über einen falschen Weg abfließt. Löst er aus, trennen Sie zuerst alle Geräte im betroffenen Bereich und schalten ihn dann einmal wieder ein; springt er sofort oder wiederholt heraus, rufen Sie einen Elektrofachbetrieb. Eine generelle Pflicht, alte Anlagen nachzurüsten, gibt es nicht. Wird eine Anlage neu errichtet, geändert oder erweitert, verlangt DIN VDE 0100-410 für Steckdosen bis 32 A und Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen einen RCD mit höchstens 30 mA. Bielektro begleitet Sie von der Einschätzung bis zur Inbetriebnahme; Arbeiten, die eine Eintragung beim Netzbetreiber voraussetzen, erbringen wir über unseren eingetragenen Installationspartner – die Verantwortung Ihnen gegenüber bleibt bei uns.

Was ein FI-Schalter tut

Der FI-Schalter vergleicht den hinfließenden mit dem zurückfließenden Strom. Normalerweise sind beide gleich groß. Fließt ein Teil über einen anderen Weg ab, etwa über ein defektes Gerätegehäuse oder einen Menschen, entsteht eine Differenz. Überschreitet sie den Auslösewert, üblicherweise 30 mA, trennt der Schalter den Stromkreis in Sekundenbruchteilen.

Laut DKE schützt ein RCD mit höchstens 30 mA auch bei direktem Berühren eines spannungsführenden Teils. Einen Leitungsschutzschalter ersetzt er nicht: Ein reiner FI-Schalter braucht zusätzlich einen Schutz gegen Überlast und Kurzschluss. FI/LS-Schalter vereinen beides in einem Gerät.

Sofort-Checkliste, wenn der FI-Schalter auslöst

Riechen Sie Brandgeruch, sehen Sie Rauch, Schmorspuren oder Wasser an elektrischen Geräten oder Leitungen, schalten Sie nicht wieder ein. Dann ist ein Elektrofachbetrieb gefragt. Öffnen Sie in keinem Fall die Abdeckung des Sicherungskastens.

Schritt 1: Ziehen Sie im betroffenen Bereich alle Stecker oder schalten Sie die Geräte aus. Schritt 2: Schalten Sie den FI-Schalter über seinen Hebel einmal wieder ein. Schritt 3: Hält er, stecken Sie die Geräte nacheinander wieder ein. Springt er bei einem bestimmten Gerät heraus, benutzen Sie dieses Gerät nicht weiter und lassen es prüfen.

Muster erkennen: Notieren Sie, wann der Schalter auslöst, welche Geräte gerade liefen und ob es zum Beispiel nach Regen geschieht. Springt er ohne angeschlossene Geräte sofort wieder heraus oder löst er immer wieder aus, liegt der Fehler wahrscheinlich in der Anlage. Dann bitte keine weiteren Versuche, sondern einen Elektrofachbetrieb beauftragen.

Nicht immer steckt ein Defekt dahinter. Viele Geräte mit Elektronik oder Netzfiltern haben betriebsbedingte Ableitströme, die sich an einem FI-Schalter summieren. Laut DKE kann das zu unerwünschten Auslösungen führen. Eine Neuaufteilung der Stromkreise oder andere Schutzgeräte plant ein Elektrofachbetrieb.

Wann eine Nachrüstpflicht besteht

Eine generelle Pflicht, ältere Anlagen mit einem FI-Schalter nachzurüsten, besteht in Deutschland nicht. Maßgeblich ist die Errichtungsnorm DIN VDE 0100-410 in der Ausgabe 2018-10. Sie gilt für neue Anlagen sowie für Änderungen und Erweiterungen bestehender Anlagen.

Dort verlangt die Norm einen zusätzlichen Schutz durch RCD mit höchstens 30 mA für allgemein, auch für Laien, zugängliche Steckdosen bis 32 A, für Stromkreise im Außenbereich mit fest angeschlossenen ortsveränderlichen Geräten bis 32 A und für Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen, einschließlich Einfamilienhäusern. Wird eine bestehende Anlage erweitert oder kommen zusätzliche Steckdosen hinzu, brauchen diese ebenfalls den RCD-Schutz.

Bestandsschutz gilt nur, solange die Anlage den Normen ihrer Errichtungszeit entspricht, unverändert betrieben wird und keine gefährlichen Mängel hat. In Altbauten mit „klassischer Nullung“ ist ein FI-Schalter für den Fehlerschutz nicht ohne Weiteres einsetzbar. Was in Ihrem Haus nötig ist, klärt ein Elektrofachbetrieb vor Ort.

Typ A, F oder B – welcher FI-Schalter wofür

Typ A erfasst Wechselfehlerströme und pulsierende Gleichfehlerströme. Typ F erfasst zusätzlich Fehlerströme aus einem Frequenzgemisch bis 1 kHz, wie sie bei Geräten mit einphasigem Frequenzumrichter auftreten, etwa in Waschmaschinen oder Pumpen. Typ B erfasst darüber hinaus glatte Gleichfehlerströme. Typ AC, der nur sinusförmige Wechselfehlerströme erkennt, ist in Deutschland nicht zugelassen.

Beispiel Wallbox: Nach den Erläuterungen der DKE zu DIN VDE 0100-722 braucht jeder Ladepunkt entweder einen RCD Typ B oder einen RCD Typ A beziehungsweise F zusammen mit einer Gleichfehlerstrom-Erkennung nach IEC 62955. Ist in der Ladeeinrichtung eine Erkennung von Gleichfehlerströmen ab 6 mA eingebaut, entfällt ein separater Typ B. Fehlt sie, braucht der Ladepunkt einen Typ B oder eine separate Erkennungseinrichtung. Welcher Typ passt, entscheidet der Elektrofachbetrieb anhand der Herstellerangaben.

Prüftaste: halbjährlich drücken

Jeder FI-Schalter hat eine Prüftaste mit der Aufschrift T oder Test. Viele Hersteller geben auf dem Gerät an, die Auslösung halbjährlich über diese Taste zu prüfen. Für Betriebe empfehlen die Durchführungsanweisungen zur DGUV Vorschrift 3 die Betätigung je nach Einsatzbereich alle sechs Monate oder arbeitstäglich.

So gehen Sie vor: Taste drücken, der Schalter muss sofort herausspringen. Danach schalten Sie ihn über den Hebel wieder ein. Löst er beim Drücken nicht aus, ist die Schutzfunktion nicht sichergestellt. Lassen Sie ihn dann umgehend von einem Elektrofachbetrieb prüfen.

Direkt anschließende Fragen

Häufige Ursachen sind ein defektes Gerät, eine beschädigte Leitung oder ein Isolationsfehler in der Anlage. Auch viele gleichzeitig betriebene Elektronikgeräte können durch summierte Ableitströme auslösen. Löst der Schalter ohne angeschlossene Geräte aus oder wiederholt sich das, ist ein Elektrofachbetrieb gefragt.

Ja, das Wiedereinschalten über den Hebel ist vorgesehen. Trennen Sie vorher die Geräte im betroffenen Bereich. Bei Brandgeruch, Schmorspuren oder Wasser schalten Sie nicht wieder ein und öffnen keine Abdeckungen.

Eine generelle Nachrüstpflicht gibt es nicht. Sobald die Anlage geändert oder erweitert wird, gelten für den betroffenen Teil jedoch die Anforderungen von DIN VDE 0100-410 mit RCD-Schutz. Bei gefährlichen Mängeln entfällt der Bestandsschutz.

Ein Ratgeberportal nennt für das Nachrüsten eines FI-Schutzschalters rund 80 bis 200 Euro. Ist die Unterverteilung zu klein oder die Anlage mit klassischer Nullung ausgeführt, kann der Aufwand deutlich größer sein. Das ist eine Marktangabe Dritter, kein Preis von Bielektro.

Entweder einen RCD Typ B oder einen RCD Typ A beziehungsweise F in Verbindung mit einer Gleichfehlerstrom-Erkennung, die auch in der Wallbox selbst eingebaut sein kann. Maßgeblich sind DIN VDE 0100-722 und die Herstellerangaben der Wallbox.

Viele Hersteller geben halbjährlich an. Drücken Sie die Taste, muss der Schalter sofort auslösen. Tut er das nicht, lassen Sie ihn umgehend prüfen.

Änderungen an der Anlage hinter der Hausanschlusssicherung dürfen nach § 13 NAV nur der Netzbetreiber oder ein im Installateurverzeichnis eingetragenes Unternehmen ausführen. Bielektro begleitet Sie von der Einschätzung bis zur Inbetriebnahme; Arbeiten, die eine Eintragung beim Netzbetreiber voraussetzen, erbringen wir über unseren eingetragenen Installationspartner – die Verantwortung Ihnen gegenüber bleibt bei uns.

Belege für die Angaben auf dieser Seite
  • Bielektro GmbH (Amtsgericht Gütersloh, HRB 14595): Anmeldung und Inbetriebsetzung der Kundenanlage über einen eingetragenen Installationspartner; die vertragliche Verantwortung bleibt bei Bielektro.AGB der Bielektro GmbH, Fassung 4.1, Stand 22.09.2026, § 4
  • DIN VDE 0100-410:2018-10 ist für neue Anlagen sowie Änderungen und Erweiterungen vorgesehen; zusätzlicher Schutz durch RCD mit IΔn ≤ 30 mA für allgemein (auch für Laien) zugängliche Steckdosen bis 32 A, Stromkreise mit fest angeschlossenen ortsveränderlichen Betriebsmitteln im Außenbereich bis 32 A und Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen einschließlich Einfamilienhäusern; zusätzliche Steckdosen bei Erweiterung mit RCD; RCD ≤ 30 mA schützt auch beim direkten Berühren; RCCB benötigt zugeordnete Überstrom-Schutzeinrichtung; summierte Ableitströme können unerwünschte Auslösungen verursachen.DKE, „Erläuterungen zum Konzept von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10“ – https://www.dke.de/resource/blob/1955610/b837e9e658e5469b891a03bdcc36b3df/konzept-din-vde-0100-410-pdf-data.pdf
  • DIN VDE 0100-410:2018-10 ist die aktuell gültige Ausgabe.DIN Media, DIN VDE 0100-410:2018-10 – https://www.dinmedia.de/en/standard/din-vde-0100-410/290956019
  • Funktionsprinzip Vergleich von hin- und zurückfließendem Strom, Auslösung üblicherweise ab 30 mA; typische Ursachen defektes Gerät oder beschädigte Leitung; Geräte trennen und einzeln wieder anschließen, bei wiederholtem Auslösen Fachleute; keine generelle Nachrüstpflicht für ältere Anlagen in Deutschland.Vattenfall Infowelt Energie, „FI-Schalter: Funktionsweise und Anwendungen“ – https://www.vattenfall.de/infowelt-energie/strom-ratgeber/fi-schalter-funktion
  • Typ AC erfasst nur sinusförmige Wechselfehlerströme und ist in Deutschland nicht zugelassen; Typ A zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme; Typ F zusätzlich Frequenzgemische bis 1 kHz (z. B. Frequenzumrichter in Waschmaschinen, Pumpen); Typ B zusätzlich glatte Gleichfehlerströme.Voltimum / Siemens, „Typen und Einteilung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen“ – https://www.voltimum.de/artikel/typen-und-einteilung-fehlerstrom
  • Ladepunkte nach DIN VDE 0100-722:2019-06: RCD Typ B oder RCD Typ A bzw. F in Verbindung mit einer Fehlergleichstrom-Überwachungseinrichtung (RDC-DD) nach IEC 62955; eine in der Ladeeinrichtung integrierte Erkennung von DC-Fehlerströmen ab 6 mA macht einen separaten Typ B entbehrlich.DKE, „FAQ-Liste zur Norm DIN VDE 0100-722“ – https://www.dke.de/2245430
  • Auf vielen RCDs findet sich der Herstellerhinweis, die Auslösung halbjährlich über die Testtaste zu prüfen; DIN EN 61008-1 Beiblatt 1 empfiehlt die regelmäßige Betätigung der Prüfeinrichtung.elektro.net, Praxisproblem „Fehlerstromschutzschalter – Betätigung der Prüftaste“ (30.10.2025) – https://www.elektro.net/praxisprobleme/rcd-pruefung-durch-betaetigung-der-testtaste-halbjaehrlich/
  • Die Durchführungsanweisungen zu DGUV Vorschrift 3 und 4 empfehlen die Betätigung der Prüftaste von RCDs je nach Einsatzbereich alle 6 Monate oder arbeitstäglich; Hersteller können abweichende Fristen angeben.DGUV Fachbereich ETEM, „Manuelle Funktionsprüfung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen“ (Stand 14.01.2016) – https://www.dguv.de/medien/fb-etem/documents/rcd_1.pdf
  • Bestandsschutz nur bei normgerechter Errichtung, unveränderten Betriebsbedingungen und ohne gefährliche Mängel; klassische Nullung verhindert den Einsatz von FI-Schaltern für den Fehlerschutz.ELEKTRO+, „Bestandsschutz – Grundlagen“ – https://www.elektro-plus.com/elektroplanung/bestandsschutz/grundlagen und „Anpassen elektrischer Anlagen“ – https://www.elektro-plus.com/elektroplanung/bestandsschutz/anpassen-elektrischer-anlagen
  • FI-Schutzschalter nachrüsten ca. 80 bis 200 Euro (Marktangabe).Wohnglück, „Elektrik im Haus erneuern: Kosten, Förderung & Tipps“ – https://wohnglueck.de/artikel/neue-elektrik-kosten
  • Errichtung, Erweiterung und Änderung der Anlage hinter der Hausanschlusssicherung nur durch den Netzbetreiber oder ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen.§ 13 Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) – https://www.gesetze-im-internet.de/nav/__13.html
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